Umgang mit Fachtexten
Sekundarstufe I
Umgang mit Fachtexten in der Sekundarstufe I aus der Perspektive durchgängiger Sprachbildung
Beim Umgang mit Fachtexten in der Sekundarstufe I ist aus der Perspektive durchgängiger Sprachbildung besonders zu beachten, dass Fachtexte häufig komplexe sprachliche Anforderungen stellen, die weit über einen erweiterten Wortschatz hinausgehen. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen Alltagssprache, Bildungssprache und Fachsprache: Die Alltagssprache ist in der Regel kontextgebunden, anschaulich und wenig abstrahierend; sie wird im sozialen Miteinander genutzt und erfordert meist keine bewusste Reflexion über Sprache. Die Bildungssprache hingegen ist eine übergreifende, schulisch-akademische Sprachform, die zum Verstehen, Erarbeiten und Darstellen von komplexen Inhalten in allen Fächern benötigt wird. Sie zeichnet sich durch präzise Ausdrucksweisen, abstraktes Vokabular, komplexe Satzgefüge und eine distanzierte Argumentationsweise aus. Fachsprache wiederum geht darüber hinaus, indem sie die spezifischen sprachlichen Mittel und Darstellungsformen eines einzelnen Faches umfasst. Dazu gehören fachtypische Begriffe, Konventionen (z. B. Definitionen, Formeln, Diagramme), charakteristische Textsorten (z. B. Versuchsbeschreibungen, literarische Interpretationen) sowie bestimmte sprachlogische Operationen (z. B. Begründen, Ableiten, Vergleichen), die oft an Operatoren gebunden sind.
Fachtexte in der Schule verbinden in der Regel Bildungssprache und fachspezifische Sprachelemente und stellen daher für viele Lernende eine doppelte Herausforderung dar: Sie müssen sowohl bildungssprachliche Strukturen als auch fachsprachliche Eigenheiten verstehen und produktiv anwenden können. Gerade mehrsprachige Schülerinnen oder sprachlich weniger versierte Lernende benötigen deshalb gezielte Unterstützung, um diese sprachlich-kognitiven Anforderungen bewältigen zu können. Fachtexte sollten deshalb im Unterricht nicht nur unter fachlichen Gesichtspunkten bearbeitet, sondern auch sprachlich erschlossen werden. Dazu gehört, zentrale Begriffe und Strukturen sichtbar zu machen, Lesestrategien (wie Markieren, Visualisieren, Zusammenfassen) systematisch zu trainieren und sprachliche Unterstützungsangebote bereitzustellen (z. B. Wortlisten, Satzanfänge, Strukturhilfen). Ebenso wichtig ist es, Gelegenheiten zu schaffen, in denen die Schülerinnen Fach- und Bildungssprache aktiv und handlungsorientiert erproben können, etwa durch kooperative Lernphasen, sprachgerahmte Schreibaufträge oder mündliche Fachgespräche. So wird die Sprachkompetenz parallel zur Fachkompetenz aufgebaut, was das Ziel durchgängiger Sprachbildung ist.
Wie dies konkret gelingen kann, dazu werden Kolleginnen und Kollegen in den folgenden Netzwerken angeleitet.
- Das Schultransfernetzwerk Sprachsensible Schulentwicklung mit BiSS bietet hier ein konkretes Angebot an, das Lehrkräfte für sprachliche Herausforderungen in Fachtexten sensibilisiert und praxisnahe Handlungsansätze vermittelt.
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